Kolumne

Ein Hit fürs Herz

In meinem neuen Roman spielt Musik eine große Rolle. Ein guter Grund, aus einigen der darin vorkommenden Songs eine Playlist zusammenzustellen, die auf den letzten Seiten des Buchs zu finden ist. Das Zusammenstellen der Musik hat mich daran erinnert, wie ich früher in meinem Kinderzimmer mit kitschigen Sonnenuntergangspostern an den Wänden als sehnsüchtiger Teenager stundenlang neben meiner Stereoanlage saß. Ich wartete auf meinen nächsten Lieblingssong im Radio, um ihn aufzunehmen. So stellte ich mir meine ganz persönlichen Hit-Paraden zusammen. Die aktuelle Lieblingskassette wurde im Walk-Man überall mit hin geschleppt und das ein oder andere Mix-Tape verschenkte ich sogar an jemanden, der es meiner Meinung nach so richtig verdient hatte.
Hin und wieder bekam ich sogar ein Mix-Tape zurückgeschenkt! Was für ein Liebesbeweis! Was für ein Gefühl!

Ein Song – nur für mich

In dem Jahr als ich vierundzwanzig wurde, waren Kassetten längst passé und Carsten hob die ganze Mix-Tape-Situation aufs nächste Level. Indem er mir einen Song schrieb und diesen auch noch selbst aufnahm. Ein Song!!! Nur für mich!!!
Damals waren wir gerade dabei ein Liebespaar zu werden. Carsten wohnte in Hamburg. Ich lebte in München in einer WG. Meine Mitbewohnerin überreichte mir an einem lauwarmen Frühsommer-Samstag einen kleinen wattierten Umschlag. Im Kirschbaum vor meinem Fenster saß ein schillernder Star und zwitscherte laut. Erwartungsfroh riss ich den Umschlag auf und fand darin eine von Carsten designte CD-Hülle aus grauem Karton. Darauf stand: Franzi 2:59. Dazu noch ein paar Worte, die so zuckersüss und gleichzeitig so cool waren, dass es mir zu den Rührungstränen auch eine elektrifizierende Gänsehaut über den Körper jagte.
Mit zittrigen Fingern legte ich die CD ein. Ein lässiger Beat ertönte, Carstens Gesang sagte in Strophen und Refrain alles, was ich hören wollte und ließ keinen Zweifel mehr daran, dass wir zusammengehörten.

Kein Platz für Zweifel

Ich weiß noch heute, wie ich da saß. In dem kleinen Zimmer. Auf dem Schreibtisch. In meinem weißen Nachthemd mit Lochstickereien. Eine Zigarette in der rechten und den Kaffee in der linken Hand. Neben mir der CD-Player und ich drückte immer wieder auf Play. Ich dachte, "jetzt wird alles anders". Ich war bereit, mich voll und ganz in diese Liebe hineinzustürzen und gleichzeitig war ich ängstlich, hatte das Gefühl, dass das viel zu gut ist, um wahr sein zu können.
Am Ende hörte ich auf mein Herz und meinen Bauch. Der Rest ist unsere Geschichte. Eine Geschichte, die sich nun bald seit siebzehn Jahren fortschreibt und schon von vielen Playlists begleitet wurde.
Und der Song? Der bleibt natürlich für immer in meinem Herzen und hat mittlerweile ein weiteres Zuhause gefunden. Als Inspiration für einen Teil der Handlung von SUCHE PLATZ AUF WOLKE SIEBEN.

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