Kolumne

Randvolle Weihnachten und eine liebevolle Selbstumarmung

Heute ist Weihnachten. Das Fest der Liebe. Das Fest des Gebens und des Nehmens. Denn wer gibt, braucht ja auch ein Gegenüber, das empfängt – also nimmt. Das Wort »nehmen« ist in meiner Wahrnehmung irgendwie leicht negativ konnotiert. Warum eigentlich?

Nehmen und Geben dürfen in unserem Leben ausgeglichen sein. Mein Herz ist sich da sicher, nur mein Verstand glaubt das manchmal nicht. Mit der Ausgeglichenheit meine ich nicht, herumzukalkulieren, wer was und wie viel geschenkt hat, um dann das Äquivalent zurückzuschenken. Und mit »Geben« sind auch nicht nur materielle Gaben gemeint. Ein nettes Wort, eine ehrlich gemeinte Frage nach dem Befinden, ein freundliches Lächeln, ein tröstendes Wort, eine kleine Hilfestellung, eine mit Freude erfüllte Bitte, ein offenes Ohr, tiefes, herzensnahes Verständnis, wahrhaftige Wertschätzung, kostbare Zeit, Aufmerksamkeit für Mensch, Tier, Natur und für mich selbst, womit ich wieder beim »Nehmen« wäre. Denn »Geben« und »Nehmen« kann ich sehr gut an mir selbst üben.

Wie begegne ich mir eigentlich selbst?

Ich sage mir »Das hast Du echt gut gemacht!«, anstatt meine Leistung bescheiden herunterzuspielen. Ich frage mich ehrlich »Wie geht es Dir eigentlich wirklich?« und höre genau hin, welche Antwort aus meinem Herzen kommt. Auf dem Weg zum Vogelfutterhäuschen lächele ich mir im Fensterglas zu und erkenne mich. Ich tröste mich mit »Du weißt doch. Das Leben verläuft in Wellen. Nach großen Herausforderungen und  Umbrüchen kommen wieder leichte, sanfte Zeiten. Konzentrier Dich auf das Positive. Hab Vertrauen.«
Ich glaube mir, weil ich spüre, dass diese hoffnungsvollen Worte der Wahrheit entsprechen, auch wenn das Tief länger andauert, als erwartet. Ich erlaube mir trotz oder gerade wegen Allem, noch größere Träume zu träumen und voll in diese traumhafte Zukunft und meine Visionen für mein 2021 hineinzugehen. Zweifel dürfen draußen bleiben.
Ich helfe meinem Körper dabei, zu entspannen, indem ich ein Bad nehme, einen Spaziergang mache, meinen Kater streichele. Ich stopfe endlich mit Freude und Ruhe meine acht Paar Socken, die ich vor Ewigkeiten selbst gestrickt habe und die nun schon ganz löchrig sind.
Ich höre auf meine Bedürfnisse: Kochen, Essen, Lesen, Schlafen, Schweigen, ganz, ganz langsam machen. Ich verstehe mich, verzeihe mir, nehme mich selbst in den Arm und in mein Herz und sage mir »Ich bin stolz auf Dich!«. Ich setze mich irgendwo hin, wo es schön ist, gönne mir Zeit, zu atmen und in die Gegend zu schauen.
Wie lange?
So lange, bis ich randvoll bin. Ja, bis ich überfließe. Bis mein Frieden, meine Freude, meine Liebe, meine Wärme, mein Mitgefühl, meine Güte hell und weit und bis zum Horizont erstrahlen und ich mit meinen Gaben fröhlich um mich werfen kann, ob sie nun jemand haben will oder nicht. Ich bin meine beste Freundin und kann jetzt auch anderen eine richtig gute Freundin sein.

Ist das nicht total egoistisch?

Ich finde nicht und denke an die Sauerstoffmaske im Flugzeug, die man ja auch zuerst sich selbst überziehen soll, um erst dann der Sitznachbarin zu helfen, dasselbe zu tun.
Allerdings ist es gerade in herausfordernden Zeiten unglaublich schwer, Wege zu finden, sich selbst positiv zu »befüllen«, denn zu viele Nachrichten, Medien, Menschen, Umstände, Umbrüche ziehen Kraft und Aufmerksamkeit.
Vielleicht kann ja der erste Schritt darin bestehen, sich wenigstens ein bisschen davon zurückzuholen, indem man inne hält, ganz still ist und sich fragt, »was macht mich in diesem Moment glücklich?«, »was brauche ich jetzt?«, »wonach sehne ich mich heute?«. Um dann der Antwort, die das Herz bestimmt schon weiß, nachzugehen, auch wenn es nur zwei Minuten am Tag sind.

Ich wünsche Dir liebevolle, gemütliche, »befüllende«, ja überfließende Weihnachten mit viel Zeit und Menschen, die auch randvoll, aber nur ein bisschen beschwipst 🙂 sind, und Dich an ihrer Fülle teilhaben lassen!!